5 Fragen an: Stefanie (IBCLC)

5 Fragen an Stillberaterin und Fachkinderkrankenschwester Stefanie Bruhn.

Eltern in ihrer Entscheidung für das Stillen zu stärken und sich gleichzeitig für eine Verbesserung der oft schwierigen Situationen in den Kliniken einzusetzen, das ist ihr eine Herzensangelegenheit. Stefanie hat sich erst kürzlich mit einer eigenen Stillberatungspraxis selbstständig gemacht.

Stell dich bitte ganz kurz vor – was machst du so? Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist? Und: Bist du zufrieden mit der aktuellen Situation?

Mein Name ist Stefanie Bruhn, ich bin Mama von drei Kindern und Fachkinderkrankenschwester auf einer Kinderintensivstation (Perinatalzentrum Level 1). Die Stillzeiten mit meinen drei Kindern habe ich als wundervolle Erfahrung in Erinnerung, auch wenn es bei meiner Kleinsten mit der Gewichtsentwicklung Probleme gab. Ich selbst bin nie auf die Idee gekommen, eine Stillberaterin zu kontaktieren, was ich jetzt im Nachhinein bereue.

Noch während der Elternzeit meiner Tochter habe ich die Ausbildungsseminare zur Vorbereitung auf das IBCLC Examen beim Ausbildungszentrum für Laktation und Stillen belegt und erst während der Seminare ist mir klar geworden, wie wertvoll eine Stillberaterin auch außerhalb der Klinikzeit (und oft auch schon während und vor allem außerhalb der Hebammennachsorge) ist. Nach und nach ist dann mein Entschluss gereift, selbst Stillgruppen und Beratungen anbieten zu wollen. Die besten Ideen für mein kleines „Stillberatungsunternehmen“ Stillen mit Herz – Stillberatung für Regensburg kamen mir während des Stillens!

Immer wieder werde ich mit Frauen konfrontiert, die den Pflegenotstand in den Kliniken und den Hebammenmangel zu spüren bekommen. Das macht mich unzufrieden, weil so viele Stillschwierigkeiten gar nicht aufgetreten wären, wären die Frauen in den Kliniken optimaler versorgt und zu Hause zeitlich besser betreut. Um dem etwas entgegenzuwirken, biete ich auch Stillvorbereitungskurse und -gespräche an, so dass die Frauen gestärkt und mit viel Wissen rund ums Stillen in diese magische und wundervoll natürliche Zeit gehen können.

Leider werden viele Frauen noch von den doch recht hohen Kosten einer Beratung durch eine zertifizierte Stillberaterin bzw. IBCLC abgeschreckt, weil die Krankenkassen die Kosten nicht immer und oft nur teilweise übernehmen. Daher wünsche ich mir, dass auch die Krankenkassen den Wert einer fundierten Stillberatung erkennen und die Kosten im Hinblick auf den gesundheitsfördernden Aspekt für Mutter, Kind und Gesellschaft bald ganz übernehmen!

Was macht für Dich wirklich gute Stillberatung aus? Auf welche Punkte legst du selbst besonders wert, um deine Mütter optimal zu begleiten?

Für mich ist es immer wichtig, dass die Familien wissen, dass ich sie in Ihrer Entscheidung unterstütze. Ich empfehle nach bestem Wissen und Gewissen, im Endeffekt soll und muss es aber zu der Familie passen. Die fachlich fundiertesten und besten Empfehlungen nützen nichts, wenn es nicht in den Alltag der Familie passt. Dann gilt es für mich, mit der Familie zusammen die beste Lösung zu finden.

Welche drei Punkte würdest du einer Stillberaterin in Ausbildung ans Herz legen? Wie schätzt du die verschiedenen Ausbildungsformen und Wissensstände der Stillberatungsorganisationen ein?

  1. Sich in vielen Institutionen, die mit Schwangeren und Stillenden zu tun haben, einen Einblick zu verschaffen! Ein Praktikum auf der Wöchnerinnenstation, im Kreißsaal, bei einer Nachsorgehebamme usw. helfen, viele Ansichten, Handlungsweisen und Aussagen zu verstehen, an die Stillende geraten und oft verunsichert werden.
  2. Sich ein Netzwerk aufzubauen – Kontakt mit anderen Stillberaterinnen, im Netz, auf Facebook, in der Region – weil der Austausch einfach wichtig ist!
  3. In Fachbücher zu investieren, auch wenn es anfänglich teuer erscheint. So hat man immer die Möglichkeit nachzuschlagen oder in einer ruhigen Minuten sein Wissen zu vertiefen und zu erweitern.

Meine Erfahrungen, was die verschiedenen Ausbildungsformen betrifft, halten sich etwas in Grenzen. Ich finde es erfreulich, dass im Großen und Ganzen dasselbe Wissen vermittelt wird und viel Wert auf den aktuellsten Stand der Dinge gelegt wird.

Was ist deine Lieblingsfrage einer ratsuchenden Mutter – und warum?

„Ist das normal so?“ Diese Frage kommt in ziemlich allen Gesprächen, sei es in der Stillgruppe oder bei Hausbesuchen in der Einzelberatung. Und „ja“ – so ziemlich alles kann normal sein, denn jedes Stillpaar ist individuell! Um dazu die Frauen in Ihrem Tun und Ihrer Mutterintuition zu bestärken, empfehle ich Ihnen immer, eine meiner Stillgruppen zu besuchen, denn dort können Sie sich mit anderen Müttern austauschen und sehen „Ja, das ist normal so!“

Was ist für deinen Alltag als Stillberaterin absolut unverzichtbar? Und natürlich vor allem: Warum ist es unverzichtbar?

Der Kontakt zu anderen Stillberaterinnen! Weil ich sicher nicht allwissend bin und froh darüber, mir bei anderen eine zweite Meinung oder nur andere Sicht auf die Dinge einholen zu können. Ich möchte für eine umfassende Beratung und Begleitung der Familien nichts übersehen und bin nicht zu stolz, eine meiner vielen lieben Kolleginnen zu befragen.

Danke Stefanie für Deine Zeit und deine Antworten!


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