5 Fragen an: Tabea (IBCLC)

5 Fragen an Stillberaterin Tabea Laue. Sie berät on- und offline als freiberufliche Still- und Laktaktionsberaterin. Dabei setzt sie besonders auf moderne Kommunikationsmittel wie Skype & Webinar-Angebote, um ihren Eltern die bestmögliche Betreuung auch ortsunabhängig zu geben.

Stell dich bitte ganz kurz vor – was machst du so? Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist? Und: Bist du zufrieden mit der aktuellen Situation?

Mein Name ist Tabea Laue, ich bin verheiratet und Mutter eines 3jährigen Sohnes.

Beruflich habe ich schon seit Beginn meiner Ausbildung zur Kinderkrankenschwester immer wieder mit stillenden Frauen zu tun. Seit 2007 ist die Begleitung des Stillens in den ersten Tagen mein beruflicher Schwerpunkt geworden. Dazu habe ich 2012 nach 1jähriger Zusatzausbildung erstmalig die Zertifizierung als IBCLC abgelegt [die Re-Zertifizierung ist gerade in Vorbereitung].

Um mehr zeitliche Flexibilität und Raum für die individuellen Stillberatungs-Bedürfnisse der Mamas zu haben, arbeite ich seit 2015 als selbstständige Beraterin für Mamas in der Stillzeit. Meine Ausbildung umfasst alle Themenschwerpunkte, die in diesem Kontext aufkommen. Das ist mir sehr wichtig, weil das Stillen und Probleme in der Stillzeit niemals isoliert betrachtet werden können, sondern vielfältigen Einflüssen unterliegen.

Nun blogge und podcaste ich unter anderem auf Mama-Baby-Vision.de für schwangere & stillende Mamas, die einen bedürfnisorientierten Umgang mit sich und ihrem Baby suchen. Die Themen sind dabei bunt gemischt und drehen sich rund um die Fragen, die mit der Ankündigung und Geburt eines Babys aufgeworfen werden. Darüber hinaus mache ich Gruppenangebote und Kurse, sowohl regional, als vor allem auch online.

Was macht für Dich wirklich gute Stillberatung aus? Auf welche Punkte legst du selbst besonders wert, um deine Mütter optimal zu begleiten?

Eine wirklich gute Stillberatung ist eine wirkliche Zusammenarbeit zwischen Beraterin und Mutter.

Sie macht realistische Erwartungen, um die individuellen (Still-)Ziele zu erreichen.

Sie ist fachlich versiert und beinhaltet eine gründliche Anamnese, welche sowohl medizinisch relevante Einflussfaktoren, als auch emotionelle, sozio-kulturelle, organisatorische, psychische und alle anderen individuell relevanten Einflüsse beachtet.

Sie ist eine Investition von beiden Seiten, deren Rahmen klar definiert ist.

Sie nutzt ein Netzwerk und baut dieses nach Bedarf aus.

Sie überprüft immer wieder im Verlauf der Zeit der Begleitung, ob sich die Beratungsziele geändert haben.

Sie ist empathisch, zugewandt, ergebnisoffen von Seiten der Beraterin, kreativ, ermutigend und wohlwollend.

Nicht immer ist so eine Stillberatung möglich, denn die Ressourcen (zeitlich, finanziell, persönlich) die zur Verfügung stehen, sind nicht immer optimal verteilt.

Mir selbst ist es vor allem wichtig, immer mit einer umfassenden Anamnese zu beginnen. Sie ist in der Zusammenarbeit mit mir immer notwendig – eine andere Form der Erstberatung biete ich nicht (mehr) an.

Am Ende einer solchen Erstberatung hat die Mama einen klaren Plan von 5-6 Punkten, die sie im Anschluss selbst umsetzen kann oder dann auf eine Begleitung für die nächsten 3 oder 8 Wochen zurückgreifen kann.

Je nach Ausgangsfrage, ist der Zeitraum ideal, um wirkliche, stabilisierende Veränderungen zu implementieren.

Welche drei Punkte würdest du einer Stillberaterin in Ausbildung ans Herz legen? Wie schätzt du die verschiedenen Ausbildungsformen und Wissensstände der Stillberatungsorganisationen ein?

Tatsächlich möchte ich beim Wissensstand massiv unterscheiden, zwischen „Stillorganisation“ und „einzelner Stillberaterin“ – im ehrenamtlichen Bereich ist das ja massiv vom eigentlichen Grundberuf und dem Eigenengagement abhängig.

Dann fallen mir Unterschiede auf, ob Stillberaterinnen eher online oder offline unterwegs sind, weil die Frequenz der Beratungssituationen gerade auf Facebook sehr hoch ist. Damit auch die Konfrontation mit diversen Stillfragen.

Beim Europäischen Institut für Laktation und Stillen haben wir nicht nur viele Zeitstunden investiert, wir haben auch viel über die länderspezifischen Unterschiede gelernt. Alleine schon deshalb, weil das Examen die gleichen Fragen enthält, egal ob eine IBCLC in Indien, Deutschland oder USA die Prüfung ablegt.

Das Ausbildungsskriptum ist fast doppelt so dick, wie die „Blaue Bibel“ der LLL und enthält alle Quellen & Studien, die jeweils relevant sind – zudem wird es ständig aktualisiert.

Dennoch weiss ich nicht immer alles sofort aus dem Stegreif.

Wichtiger sind mir da die Punkte, die ich oben beschrieben habe – eine gute Begleitung der Mutter. Wissen kann ich jeweils auffrischen und nachlesen.

In der Ausbildung wirklich wichtig:

  1. Wenn du etwas nicht verstehst, frag nach – immer!
  2. Ehe du etwas vertrittst, was du gelernt hast, kenne auch die Gegenargumente und kenne die Quellen deiner Aussagen – oder recherchiere sie.
  3. Bleib offen für andere Ausbildungsanbieter und deren Absolventen – wir können grundsätzlich immer voneinander lernen. Gerade im ehrenamtlichen Bereich, wo so viele bunte Basiskompetenzen vertreten sind und noch (in meinen Augen) viel zu selten zum Einsatz für die Stillberatung kommen.

Was ist deine Lieblingsfrage einer ratsuchenden Mutter – und warum?

„Begleitest du mich für die nächsten 8 Wochen?“ – im kostenfreien Kennenlerngespräch, besprechen wir grundsätzlich die Gestaltung der Zusammenarbeit. Dazu beschreibe ich verschiedene Möglichkeiten, die ich auf Basis der beschriebenen Stillprobleme sehe.

Das reicht grundsätzlich von einer einmaligen Beratung bis hin zur Begleitung für 4 Monate. In unterschiedlichster Intensität – da ich ja nicht „nur“ Stillprobleme begleite, sondern auch alle anderen Fragen rund ums Baby.

Eine Mama, die zu diesem Zeitpunkt bereits einen längeren Zeithorizont sieht, hat verstanden, dass sich Stillprobleme nicht über Nacht lösen lassen. Meist waren sie ja auch nicht über Nacht gekommen.

Mit Mamas die eine längerfristige Begleitung wählen, ist die Zusammenarbeit meist tiefgehend und intensiv – das schätze ich sehr.

Was ist für deinen Alltag als Stillberaterin absolut unverzichtbar? Und natürlich vor allem: Warum ist es unverzichtbar?

Ohne mein Wissen & meine Erfahrung bin ich aufgeschmissen – keine Frage. Doch darüber hinaus sind für mich mehrere Sachen absolut wichtig:

Mein Navi mit aktueller Software – wenn die Familien einen Hausbesuch wünschen, fahre ich teils lange Strecken und halte mich häufig in Gegenden auf, die ich nicht kenne. Das Navi bringt mich sicher in den richtigen Ort – ohne bin ich aufgeschmissen.

Der Computer – Kontaktanfragen, ehrenamtliches Engagement in Facebookgruppen und mein Blog – ohne PC könnte ich das alles nicht realisieren. Ein Smartphone hingegen ist für mich weiterhin nur ein zusätzliches Gimmik.

Meine Beratungspuppe & Beratungsbrust – „hands-off-care“ ist das Prinzip das ich heute, wie früher in der Klinik – so lange wie möglich versuche zu befolgen. Dabei helfen mir diese Anschauungsutensilien, um meine Erklärungen zu unterstützen. So wird die Mama effektiver befähigt die besprochenen & gezeigten Maßnahmen wirklich selbst umzusetzen.

Das Stilldok – jedes Beratungs-Baby erhält von mir eine Gewichtsverlaufsanalyse, auch wenn sich die Mama mit wunden Mamillen an mich wendet. Es unterstützt mich bei der präzisien Ursachensuche, weil es mir zusätzliche Informationen aus der Stillgeschichte ablesen lässt. Gemeinsam mit der ausführlichen Anamnese ergibt sich ein noch umfassenderes Bild der Stillgeschichte.

Ein Szenario, das ich mir darüber hinaus immer wieder vor Augen führe: Wenn wir von heute auf Morgen plötzlich -nichts mehr- hätten (egal warum) …könnte ich dann Frauen mit Stillkindern weiterhin helfen. Und so lange ich das vollkommen überzeugt mit „ja“ beantworten kann, nutze ich sehr gerne alle elektrischen und materiellen Helferchen.

Danke Tabea für Deine Zeit und deine ausführlichen Antworten!


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