5 Fragen an: Anja (LLLÖ)

5 Fragen an Stillberaterin & Präsidentin der LLL Österreich Anja Harnisch. Sie ist aus vollem Herzen als ehrenamtliche Stillberaterin in der Begleitung von Müttern unterwegs. Hier verrät sie uns, wie vor 12 Jahren alles begann – und was ihr bei der Beratung von Eltern wichtig ist.

Stillberaterin werden: Unsere „5 Fragen an Anja“

Stell dich bitte ganz kurz vor – was machst du so? Wie bist du dahin gekommen, wo du jetzt bist? Und: Bist du zufrieden mit der aktuellen Situation?

Mein Name ist Anja Harnisch, ich bin seit 12 Jahren Stillberaterin bei La Leche Liga und seit 2 Jahren auch Präsidentin von La Leche Liga Österreich. Zu La Leche Liga bin ich durch Stillprobleme bei meinem ersten Sohn gekommen.

Dann bin ich „hängengeblieben“. Ich fand es immer so nett bei den Stilltreffen, dass ich dann in der Schwangerschaft mit meinem zweiten Sohn mit der Ausbildung zur Stillberaterin begonnen habe.

Mit meiner Situation bin ich rundum zufrieden – das Ehrenamt lässt sich gut mit Arbeit und Familie vereinbaren und ich fühle mich in der LLL immer noch „zuhause“.

Ich habe sehr viele gute Freunde gewonnen und habe das Gefühl, der Gesellschaft etwas zurückzugeben – ich bin LLL sehr dankbar für das was ich gelernt habe, wie meine Sichtweise verändert wurde und wie sie mich zu dem Menschen gemacht hat, der ich heute bin.

Was macht für Dich wirklich gute Stillberatung aus? Auf welche Punkte legst du selbst besonders wert, um deine Mütter optimal zu begleiten?

Das wichtigste in der Stillberatung ist sicher das Zuhören. Ganz viele Mütter rufen an, weil sie verzweifelt sind und sich „ausweinen“ möchten. Vieles wird schon gelöst, indem ich der Mutter aktiv zuhöre, ihre Sorgen ernstnehme und sie in ihrem Tun bestärke.

In der Beratung ist es mir wichtig, die Mutter in ihrer Kompetenz zu stärken, ihr klar zu machen, dass sie die Expertin für ihr Kind ist und sie die beste Mutter für ihr Kind ist. Mit dieser Rückenstärkung und ein paar Anregungen und Tipps können die meisten Probleme schon gelöst werden.

Wenn ich aber merke, dass mehr dahinter steckt, dass die Beratung meine Kompetenz und/oder Ressourcen übersteigt, dann ist es mir wichtig, die Mutter an eine andere kompetente Stelle weiterzuleiten, an eine Kollegin, eine IBCLC, einen Arzt oder eine Ambulanz.

Welche drei Punkte würdest du einer Stillberaterin in Ausbildung ans Herz legen? Wie schätzt du die verschiedenen Ausbildungsformen und Wissensstände der Stillberatungsorganisationen ein?

  • Mach dir klar, warum du Stillberaterin werden willst und wozu du die Ausbildung verwenden willst
  • Informiere dich, welche Ausbildung für dich in Frage kommt (manche Organisationen verlangen bestimmte Vor-Ausbildungen oder Erfahrungen)
  • Räume der Ausbildung eine fixe Priorität in deinem Leben ein – ganz „nebenbei“ lässt sich wahrscheinlich keine Ausbildung absolvieren. Wenn dir die Ausbildung wichtig ist, dann findest du auch Raum und Zeit dafür.

In Österreich gibt es neben der LLL noch die AFS und den VSLÖ.

Jede Organisation hat ihre Schwerpunkte.

Beim VSLÖ steht das medizinische Wissen im Vordergrund. Stillberaterinnen IBCLC haben einen medizinischen Grundberuf und beraten vor allem in „schwierigen“ Fällen, die über die Möglichkeiten einer ehrenamtlichen Stillberaterin hinausgehen. Sie machen auch Hausbesuche und begleiten Mütter in schwierigen Situationen wie frühgeborene oder kranke Babys, verrechnen aber ihre Leistungen.

Stillberaterinnen LLL haben normalerweise selbst langjährige Stillberatung. Die Ausbildung bei La Leche Liga baut auf der eigene Stillerfahrung auf und fokussiert sich auf das oben schon erwähnte „Zuhören“ und die Stärkung der Kompetenz der Mutter. Aber natürlich beinhaltet die Ausbildung auch eine fachlich fundierte Ausbildung rund um Stilltechnik, Stillmanagement und Entwicklung des Babys. Stillberaterinnen LLL beraten ehrenamtlich – bei uns ist aber auch die Mitarbeit im Verein und der Austausch mit den anderen Beraterinnen ganz wichtig.

Von AFS weiß ich leider nicht so viel. Die Ausbildung bei AFS ist wahrscheinlich die schnellste – ich kenne trotzdem ein paar fachlich sehr kompetente AFS-Stillberaterinnen.

Was ist deine Lieblingsfrage einer ratsuchenden Mutter – und warum?

Meine Lieblingsfrage ist: Mein Kind ist jetzt 6/9/12/18/…. Monate alt – ist mein Kind zu alt zum Stillen, muss ich jetzt abstillen?

Aus dieser Frage hört man sehr oft den Druck der Umgebung, der Familie oder des Kinderarztes heraus. Und da kann ich jede Frau beruhigen: es gibt kein Alter, in dem man Abstillen „muss“.

Das Stillen ist eine Beziehung, in der beide Partner ein Wörtchen mitreden sollten. Wenn ein Kind der Stillbeziehung entwachsen ist, dann wird man es nicht zum Stillen zwingen können. Auf der anderen Seite sollte jede Mutter die Stillbeziehung so gestalten, dass es für sie stimmig ist.

Und wenn sie nicht mehr stillen mag, dann ist das auch ok, sie sollte aber weder zum Stillen noch zum Abstillen gedrängt werden.

Was ist für deinen Alltag als Stillberaterin absolut unverzichtbar? Und natürlich vor allem: Warum ist es unverzichtbar?

Für meinen Alltag als Stillberaterin ist das Internet mit seinen Vernetzungsmöglichkeiten unverzichtbar. Einerseits finden die meisten Mütter über das Internet zu uns, andererseits bietet mir das Internet die Möglichkeit, mich mit anderen Beraterinnen auszutauschen und nach Hilfe zu fragen, wenn ich nicht mehr weiter weiß.

Ich habe in einer Zeit zu stillen und zu beraten begonnen, als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte. Obwohl es natürlich auch negative Seiten gibt, überwiegen für mich die Vorteile. Ich musste mir noch alle Informationen erfragen oder aus Büchern zusammensuchen. Heute ist es viel einfacher an Informationen, aber auch an Stillhilfsmittel, Tragehilfen, etc. heranzukommen.

Das erlebe ich auch in der Beratung: Die meisten Mütter sind heute viel besser informiert als noch vor einige Jahren.

Danke Anja  für Deine Zeit und deine Antworten!


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